Gustl Lang hat immer wieder gesagt, am liebsten sei es ihm, einmal am Schreibtisch zu
sterben. Ein Leben ohne seine tägliche Arbeit am Schreibtisch konnte er sich nicht
vorstellen. Es wäre für ihn kein Leben mehr gewesen. Fast ist es ihm gelungen. Ums
Haar wäre er am Schreibtisch gestorben. Als der Krebs entdeckt wird, ist es viel zu
spät, noch irgend etwas dagegen zu tun. Lang bleiben gerade einmal vier Monate. Vier
Monate zu viel, denn ihm wäre gewiß der Herzinfarkt über den Akten lieber gewesen, aber
eben doch nur vier Monate, die er auch nur zum Teil im Krankenhaus verbringt.
Am 26. Februar 2004 feiert er noch groß im Gustl-Lang-Saal der Weidener Max-Reger-Halle
seinen 75. Geburtstag. Die Stadt hat für ihren Ehrenbürger einen Stehempfang ausgerichtet.
Wirtschaftsstaatssekretär Hans Spitzner hält eine launige Rede: "Ich habe noch keinen
erlebt, der so unschuldig dreinschauen kann, wenn er mal was angestellt hat." Am Ende
sagt er, Gustl Lang sei gesund, obwohl er nie im Leben Sport getrieben habe (was nicht
ganz stimmt) und Urlaub ein Fremdwort für ihn sei (was ganz und gar stimmt). Und er
schließt: "Wir brauchen Dich auch in Zukunft." Spitzners Anspielung auf Langs Gesundheit
bekommt im Nachhinein einen prophetischen Beigeschmack. Dennoch ist es nur Wichtigtuerei,
wenn sich nach Langs Tod Stimmen melden, die behaupten, damals schon von seiner
Erkrankung gewußt zu haben. In Wahrheit weiß der an seinem Geburtstag viel Gelobte
selbst noch nichts davon.
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