Gustl Langs Einstieg in die Politik ist der Senkrechtstart eines politischen Naturtalents,
das weder auf eine charismatische Erscheinung bauen kann noch auf eine außergewöhnliche rhetorische
Begabung. Langs Fähigkeiten liegen anderswo. Es sind seine burschikose Hemdsärmeligkeit, sein nicht
zu übersehender Fleiß und seine Liebe zu den Menschen, die ihm vom Beginn seiner politischen Laufbahn
an ohne Unterbrechung traumhafte Wahlergebnisse bescheren. Lang ist 36 Jahre alt und seine Anwaltskanzlei
läuft gut, als er sich 1965 von der CSU für die Stadtratsliste gewinnen läßt. Bekannt ist er in Weiden
damals nicht in erster Linie als Rechtsanwalt, sondern seit 1961 als Vorsitzender des Schwimmvereins.
Als solcher hatte er - früher selbst aktiver Schwimmer und Wasserballer - die Weichen gestellt für den
Umbau des Schätzlerbades zu einem modernen Freizeit- und Erholungszentrum.
Er wird 1966 auf Anhieb mit
einem so guten Ergebnis in den Stadtrat gewählt, daß ihn die Fraktion gleich zu ihrem Vorsitzenden macht.
Aber nicht nur das, Lang soll schon in den nächsten Wahlkampf als Bürgermeisterkandidat ziehen.
Einen Wahlkampf, den er eigentlich nicht gewinnen kann, der sich aber bezahlt machen soll. Die Stadt
ist 1970 fest in SPD-Hand. Lang kandidiert gegen Hans Bauer als Nachfolger des langjährigen OBs Hans
Schelter (SPD), der aus Altersgründen nicht mehr antreten kann. Bauer gilt seit Jahren als "Thronfolger",
dennoch führt Lang einen ungemein engagierten und vor allem ideenreichen Wahlkampf. Und gewinnt. Nicht die
Kommunalwahl, aber die Herzen der Jungen Union im Landkreis Neustadt/WN. Und das soll sich bald als
Trumpfkarte erweisen.
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