Der geplante Bau der Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) im oberpfälzischen Wackersdorf
(Landkreis Schwandorf) ist die bitterste Zeit in der Politikerlaufbahn Gustl Langs.
Nur noch übertroffen von dem jähen Sturz 1993, als der neue Ministerpräsident Edmund
Stoiber ihn nicht mehr ins Kabinett beruft. Lang sieht sich 1986, soeben von Franz Josef
Strauß zum Innenminister ernannt, vor der Aufgabe, in seiner geliebten Oberpfalz eine Anlage
zur Wiederaufbereitung verbrauchter Brennelemente aus Kernkraftwerken durchzusetzen.
Ein Großprojekt der deutschen Energiekonzerne, das etwa zehn Milliarden Mark kosten und
hunderte neuer Arbeitsplätze bringen soll. Lang findet sich plötzlich in der Rolle des Feindes.
Gehört in diesen Jahren zu den am intensivsten bewachten und geschützten Politikern.
Die Auseinandersetzungen um die WAA haben in genau diesem Jahr ihren Höhepunkt erreicht.
Gustl Lang hatte den Worten Alois Glücks zufolge zeit seines Politikerlebens eine Hierarchie:
Zuerst kam die Stadt Weiden, dann die nördliche Oberpfalz, dann die Oberpfalz, dann erst
Bayern. Der heutige Landtagspräsident kennt Lang seit Anbeginn dessen Laufbahn in München.
Der Oberpfälzer habe diese Hierarchie, die ihm als Landespolitiker eigentlich nicht anstand,
immer sehr geschickt zu verschleiern gewußt, aber er habe stets nach ihr gehandelt. Und eben
dieser Mann soll nun in seiner nördlichen Oberpfalz die Staatsmacht vertreten, die auf Biegen
und Brechen die WAA durchsetzen will. Er tut das. Keine Frage. Dafür ist er zu sehr loyaler
CSU-Staatsminister. Aber es kostet ihn viel. In späteren Jahren mag er über dieses Thema kaum
mehr reden.
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